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Shut Up And Play The Piano

Kinoverein präsentiert

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Sonntag, 28.10.2018
18:00 Uhr

Weitere Termine:

26.10.2018 um 20:30 Uhr

Im künstlerischen Leben des Musikers Chilly Gonzales scheint es zwei Konstanten zu geben: die Provokation und den Wandel. Seine schillernde, expressive Persönlichkeit drückt auch diesem dokumentarischen Filmporträt ihren Stempel auf. Der Debütregisseur Philipp Jedicke nähert sich den vielen Facetten des Musikers und Performers, der das Spiel mit dem eigenen Image liebt, mit einer bunten Mischung filmischer Mittel. Der Künstler stellte die Bedingung, nicht im privaten Bereich gefilmt zu werden. Aber wenn er über die im Elternhaus erfahrene Prägung spricht, verrät er Aufschlussreiches über seine Persönlichkeit und seinen künstlerischen Antrieb.

Wenn KünstlerInnen wie Peaches, Leslie Feist und andere im Film über "Gonzo" - so lautet der Spitzname von Gonzales – sprechen, dann erwähnen sie gerne, wie inspirierend die Zusammenarbeit mit ihm war. Dank des reichen Archivmaterials unternimmt der Film auch einen Ausflug in das wiedervereinigte Berlin der Jahrtausendwende, in dem Gonzales und andere Künstler aus aller Welt mit Neuem experimentierten. Vielleicht stammt die Lust am ironischen Spiel mit den Konventionen, die Gonzales auch später hegt, aus dieser Zeit. So trägt er beim Klavierspiel auf der Bühne gerne Bademantel und Pantoffeln. Seine humorvollen Raps, die spontan wirkenden Performance-Ideen und natürlich auch sein Klavierspiel bezeugen, wie kreativ der Mann ist. Er muss stets etwas ausprobieren, und sei es, mit dem renommierten Radio-Symphonieorchester Wien aufzutreten und die klassische Musik, aber auch das klassische Konzerterlebnis gehörig aufzumischen.

Als Klammer dient dem Film ein Interview, das Gonzales mit der Schriftstellerin Sibylle Berg führt. Dass er von seinem Vater das Streben nach Erfolg eingeimpft bekam, betrachtet der Musiker mit gemischten Gefühlen. Mit viel Selbstironie kommentiert er, auch auf der Bühne, seinen Hang zur Egozentrik. In kurzen Spielszenen veranstaltet der Film gar ein Casting für die Rolle des Chilly Gonzales. Die Maskerade mit dem eigenen Image gehört zu diesem Künstler, der als Privatmensch nicht an die Öffentlichkeit drängt. Das Beste an diesem reichhaltigen Film sind die vielen Szenen, in denen Gonzales auf der Bühne steht. Denn dann erlebt man die Energie, die er freisetzt, wenn er für Überraschungen sorgt und scheinbar Unvereinbares zusammenbringt.

Fazit: Der Dokumentarfilm, mit dem Philipp Jedicke sein Regiedebüt gibt, liefert ein mitreißendes Porträt des exzentrischen Klavierspielers, Rappers und Entertainers Chilly Gonzales. Es stellt die Ausdruckskraft, Energie und Wandlungsfähigkeit des Künstlers mit einer Fülle von Archivaufnahmen unter Beweis. Gonzales spricht über seine künstlerischen Interessen, seine familiäre Prägung, jedoch nicht über sein Privatleben. Spielszenen und Statements von Weggefährten runden das Bild eines experimentierfreudigen Performers ab, der gerne Spaß macht, aber gelegentlich auch nur das Klavier sprechen lässt.

Regie: Philipp Jedicke

Darsteller: Chilly Gonzales, Peaches, Daft Punk, Leslie Feist

Genre: Dokumentarfilm

Filmlänge: 81 min

FSK: keine Angabe

Deutschland, Frankreich, Großbritannien 2018

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